Zu den Tai Chi-Veranstaltungen im September 2018: Meditativer Spaziergang "Spätsommer- Zeit in Balance", Tai Chi-Workshop "In Balance kommen"

Beitrag von Reinhard Koine, Bad Honnef

In Balance

Im Koordinatensystem der chinesischen Lehre der fünf Wandlungsphasen (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser) bewegt sich die Natur zum Ende des Sommers in der Wandlungsphase „Erde“. Die Veranstaltungen „Spätsommer - Zeit in Balance“ (Meditativer Spaziergang) sowie „In Balance kommen“ (Tai Chi-Workshop) nehmen Bezug auf diese Wandlungsphase und den mit ihr verbundenen Aspekten Erdung, Zentrierung, Entspannung, Vertrauen, Sinken.

„Erde“ nimmt eine Sonderstellung im Rahmen der fünf Wandlungsphasen ein. In der sonst klaren Zuordnung dieser Elemente auf die Dualität von Ying und Yang ist „Erde“ neutral: weder das eine, noch das andere. „Erde“ verkörpert das Prinzip der Balance, der Mitte, des Ausgleichs, des Übergangs.  

Balance ist uns als Thema aus verschiedenen Lebensbereichen geläufig, u.a. als ausgewogene Ernährung, work-life-balance, Bewegung und Entspannung als Ausgleich zu Stress und einseitigen Belastungen. Als eine bestimmende Größe unserer permanent der Schwerkraft unterliegenden Existenz nehmen wir das Prinzip der Balance jedoch kaum wahr.  

Die Gravitation ist eine Konstante für alle Lebewesen, für die ganze Natur. Statik, Sensomotorik und Gleichgewichtssinn der Organismen beziehen sich auf die Schwerkraft. Der Erdboden hindert daran, in gleichförmig beschleunigter Bewegung zum Erdzentrum hin zu fallen, indem die Körper eine der Gravitation entgegen gerichtete Kraft ausüben.

Unbewusst balancieren wir uns also ständig aus. Im Laufe des Lebens entwickelt jeder Mensch in Auseinandersetzung mit der Gravitation ein individuelles Muster für die eigene Muskelarbeit. Wer nicht gerade vorrangig als Tänzer, Artist oder Astronaut arbeitet, unterwirft sich im Alltag - u.a. genährt aus einer unterschwelligen Angst zu fallen - meist dem Konzept „Gegen die Schwerkraft arbeiten“. Dabei kultivieren wir eher das Festhalten. Es bilden sich Verspannungen, Blockaden und Kompensationsmuster heraus, mit denen wir uns immer weiter von der in unserem Organismus angelegten Natürlichkeit entfernen.

Im Rahmen der meditativen Spaziergänge und des Workshops im Spätsommer lernen wir das Konzept „Mit der Schwerkraft arbeiten“ kennen. Passive Übergabe an die Schwerkraft (Entspannen)* und aktive Übergabe an die Schwerkraft (Sinken)* sind zwei Aspekte dieser Arbeit, die das Leben leichter machen können.

*Begriffe und Konzepte von Epi van de Pol, der regelmäßig auch in Deutschland Tai Chi-Unterricht gibt.

Verfasst von Reinhard Koine am . Veröffentlicht in Blog

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